Die kurze Antwort vorweg: ziemlich viel. Die etwas längere fängt im Jahr 1607 an – und sie erklärt nebenbei, warum sich das gesamte Kirchspiel Bücken alle fünf Jahre in den Ausnahmezustand versetzt.

Damals, so will es die Überlieferung, wurde die allererste Bücker Majestät beim sogenannten Papagoyenschießen ermittelt. „Papagoye“ – das alte norddeutsche Wort für den Papagei – hieß der hölzerne Vogel, der auf einer Stange thronte und so lange beschossen wurde, bis der treffsicherste Schütze ihn herunterholte. Bürgermeister Dietrich Leiding stiftete im selben Jahr ein silbernes Kleinod in Vogelgestalt, das fortan die Königswürde zierte. Aus Holz wurde geschossen, aus Silber wurde gekrönt. Der Papagei, kurz gesagt, ist der Urvater des ganzen Festes.

Doch der Reihe nach. Wer in Bücken nach den Wurzeln gräbt, landet noch viel früher: Schon 882 gründete der Bremer Erzbischof Rimbert hier ein Stift, dessen romanische Stiftskirche – der „Bücker Dom“ – bis heute über dem Ort wacht. 1413 verliehen die Grafen von Hoya dem Flecken Bücken besondere Rechte. Mit ihnen kam, wie überall im Mittelalter, die Pflicht zur Wehrbereitschaft – und damit das Schießen, das Üben, das Sich-Messen. Die zwei schwarze Bärentatzen im Bücker Wappen erinnern bis heute an jene Grafen. Aus Wehrpflicht wurde über die Jahrhunderte Geselligkeit, aus Geselligkeit wurde Tradition.

Die Fehde und der salomonische Schiedsspruch

Dann kam, der Überlieferung nach, der Streit. Um das Jahr 1745 entzweite eine Fehde um die Königswürde die Bürger und die Bauern des Kirchspiels. Der Hoyaer Amtmann Strube, wohnhaft auf Gut Ovelgönne, fällte einen geradezu salomonischen Schiedsspruch: Bürger und Bauern sollten künftig getrennt schießen, jeder für sich. Was als Friedensformel gedacht war, hielt erstaunlich lange – rund 237 Jahre lang feierten beide Lager fein säuberlich nebeneinander her.

Wie das aussah, zeigt eine Aufnahme vom Bürger-Schützenfest des Jahres 1901: Ein festlicher Umzug zieht durch eine mit Girlanden und einer prächtigen Ehrenpforte geschmückte Straße, voran die Schützen mit Schärpe und Fahne, am Wegrand staunende Kinder. „Getrennt von den Bauern“ – so nüchtern hält es die Überlieferung fest. Und genau in jenem Jahr 1901 wurde die heute legendäre Bücker Wache aus der Taufe gehoben, die Eliteeinheit des Schützencorps Bücken von 1858.

Als der Kaiser fast Bücker König wurde

1901 ereignete sich zudem eine Geschichte, die schlicht zu schön ist, um sie wegzulassen. Eine zeitgenössische Zeitungsnotiz aus Bücken vom 6. Juli berichtet vom Bürgerschießen: Das Kommando führte Bürgermeister und Hauptmann Scharnhorst, der den ersten Schuss traditionell „für den Landesherrn“ abgab – mit beachtlichen zwölf Ringen. Einen Augenblick lang schien es, als könne der Kaiser höchstpersönlich Bücker Schützenkönig werden. Doch dann trat Vollmeier Diedrich Meyer (Ahrens) an die Linie, schoss noch besser und holte sich die Königswürde, „da Keiner ihn übertraf“. Dem Kaiser blieb der zweite Preis. Weil ein solcher Fall noch nie eingetreten war, beschloss man kurzerhand, der Königskette ein eigenes Schild zu stiften, auf dem dieser denkwürdige Beinahe-Triumph Seiner Majestät für die Nachwelt festgehalten wurde. So viel Bücker Selbstbewusstsein muss man erst einmal aufbringen: erst den Kaiser zum Mitschießen einladen – und ihn dann ausschießen. Dieses Jahr hat Olaf Lies die Chance Bürgerkönig zu werden. Vielleicht klappt es ja.

Die Versöhnung von 1982 und moderne Zeiten

Versöhnt wurde die alte Trennung erst im Jahr 1982 – und seither lautet die Bücker Formel: zehn Orte, zwei Könige, ein Fest. Das Foto vom ersten gemeinsamen Bürger- und Bauernschießen zeigt die ganze Festgesellschaft im Zelt, Zylinder an Zylinder, und in ihrer Mitte erstmals wieder beide Majestäten einträchtig nebeneinander: Bauernkönig H. Ahrens und Bürgerkönig H. Meyer. Vor den beiden lehnen die frischen Scheiben „Bürgerschießen 1982“ und „Bauernschießen 1982“ – zwei Corps, zwei Fahnen, aber endlich eine gemeinsame Sache. Seit dem Jahr 2000 schießen in Bücken übrigens auch Bürgerinnen und Bäuerinnen mit, mit allen Rechten, allen Pflichten und selbstverständlich Zylinder.

Womit wir im Jahr 2026 angekommen wären. Vom 25. bis 28. Juni kehrt das große Fest auf den Festplatz „Am Hestern“ zurück – diesmal, und das ist eine Geschichte für sich, hoffentlich mit Ortsangabe.

Denn die Vorbereitungen verliefen, nun ja, in bester Bücker Tradition denkwürdig. Zwanzig große Bauzaun-Banner ließ das Marketing-Team gestalten, drucken und von der Warper Dorfjugend und der Bücker Wache in allen zehn Ortschaften aufhängen – nur leider verriet kein einziges davon, wo eigentlich gefeiert wird. Ein Werbevideo wiederum geriet so gut, dass es in den sozialen Netzwerken berühmt-berüchtigt wurde und halb Norddeutschland erreichte: das mittlerweile legendäre Reichweiten-Wunder vom Hestern.

Das Kinder- und Jugendkönigsschießen findet bereits am 20. Juni statt, eine ganze Woche vor dem großen Fest. Auf den Bannern stand dieses ebenfalls nicht. Dafür wird am Samstag, dem 27. Juni, gründlich Wiedergutmachung betrieben: Nach dem Kinderumzug ab dem Marktplatz (13:00 Uhr) verwandelt sich der Festplatz ab 13:30 Uhr in ein Familienparadies mit einer ganzen Hüpfburgstadt, Raketenbau samt Startrampe, Feuerwehrvorführung, Torwand-Radar, Kinderschminken und allerlei Leckerem. Höhepunkt ist die Hobby-Horsing-Arena mit offenem Turnier.

Und wenn die Sonne untergeht, gehört die Bühne dem Abendprogramm. Den Auftakt macht am Donnerstag, dem 25. Juni, ab 19:30 Uhr der feierliche Kommersabend mit Blasorchestern und Spielmannszügen samt Großem Zapfenstreich. Am Freitag, dem 26. Juni, ab 21:00 Uhr heizt die „DJ Toddy & Ernesto Show“ das Festzelt ein – Toddy, der versprochen hat, notfalls „mit dem Trecker“ anzureisen, sollten ihn Stau, Vollsperrung oder Ernteverkehr aufhalten wollen. Am Samstag, dem 27. Juni, spielt nach dem Festessen ab etwa 20:30 Uhr die Partyband Hashtag zum Königsball auf. Und am Sonntag, dem 28. Juni, lässt DJ Björn das Fest ab 18:00 Uhr beim traditionellen Matjesessen ausklingen. Allen Bürgern und Bauern sei schon jetzt geraten, sich für den Montag nicht allzu viel vorzunehmen.


Bleibt zum Schluss die Eingangsfrage. Was also hat ein Papagei mit dem großen Fest in Bücken zu tun? Alles. 419 Jahre nach dem ersten hölzernen Vogel und dem silbernen Kleinod fliegt er, im übertragenen Sinne, noch immer – über zehn Ortschaften, zwei Königen und einem Fest, das sich selbst nie ganz ernst nimmt, seine Geschichte aber umso mehr.